Wiederbelebung der Ur-Sehnsucht als tiefenpsychologische Heilungsmethode

    Projektleitung

  • Hamid Reza Yousefi ist 1967 in Teheran geboren, hat von 1996 an in Deutschland studiert, 2004 wurde er in Trier promoviert, 2010 hat er sich in Koblenz habilitiert und ist Privatdozent für interkulturelle Philosophie und Geschichte der Philosophie an der Universität Koblenz und Gründungspräsident des Instituts zur Förderung der Interkulturalität e.V. in Trier.

    Forschungsschwerpunkte:
    Soziale Anamnese und gesellschaftliche Psychopathologie, Kulturwissenschaft, moderne Theorien der Toleranz, Ethik und Hermeneutik sowie angewandte Konzepte der Religionswissenschaft und diskurshistorische Kommunikationsforschung.

        Projektbeschreibung

  • Die Psychologie hat sich der Wiederbelebung der Ur-Sehnsucht als Therapieansatz kaum zugewandt. Im Zentrum des Projektes steht der Versuch, diese Lücke zu schließen und deutlich zu machen, wie fruchtbar und weiterführend ein derartiger Ansatz für die Psychologie und Psychotherapie sein kann. Es handelt sich um den Entwurf einer Theorie der Wiederbelebung der Ur-Sehnsucht als einer tiefenpsychologischen Heilungsmethode der Sucht. Dabei wird zu Grunde gelegt, dass der Antrieb allen Suchens das gewisse Etwas bildet, das in unsere Biologie hineingelegt worden ist. Es ist wesentlich die Ur-Sehnsucht in der Kontinuität lebenslangen Entwicklungs- und Entfaltungsprozesses zu erforschen. Was genau ist diese angeborene Ur-Sehnsucht, wozu kann sie uns treiben und wieso lässt sie uns leiden?

    Nach allgemeiner Beobachtung sind die Aktivitäten des menschlichen Lebens auf tiefliegende Wünsche und Bedürfnisse zurückzuführen. Kaum ein Mensch will nicht gemocht, geschätzt oder geliebt werden. Jeder ist auf seine Weise bestrebt, Anerkennung zu erfahren, eine gewisse Macht zu erlangen und letztlich ein erfülltes Leben zu führen. Wir dürfen vermuten, dass in unserer Seele ein Grundelement verankert ist, das uns antreibt, Glück zu suchen und Unglück zu meiden, sich zu fragen, wie die Welt funktioniert oder gar über den Sinn des Lebens nachzudenken. Obschon jeder diesen in der Tiefe der menschlichen Psyche verwurzelten Antrieb empfindet, sind seine Ausprägung und sein Erfolg im Einzelfall unterschiedlich. Was aber ist diese geheimnisvolle Antriebsquelle in uns Menschen und was ist die Wurzel unserer Wünsche und Bedürfnisse, welche wir gewöhnlich als >Sehnsucht< bezeichnen?

    Die Basis aller Bestrebungen des Menschen können wir auf dieses einzigartige Grundelement unseres Handelns zurückführen und es Ur-Sehnsucht nennen. Die Ur-Sehnsucht ist von der Sehnsucht zu unterscheiden. Sehnsucht impliziert lediglich Wünsche, Träume und Bedürfnisse sowie Verlangen nach einem Ort und Gegenstand oder nach einer Person. Sehnsucht und Sucht stehen in enger Beziehung zueinander. Beide Phänomene berühren auf unterschiedliche Weise die Anatomie des menschlichen Geistes und die Logik des Herzens.

    Formen der Sehnsucht
    Um die Grenzen zwischen Sucht und Sehnsucht zu zeigen, ist die Sehnsucht in eine >negative< und eine >positive< Art zu unterteilen: Negative Sehnsüchte artikulieren eine Vorstufe zur Sucht - eine zwanghafte und krankhafte Abhängigkeit von etwas. Positive Sehnsüchte umfassen unterschiedliche Formen von Wünschen, Verlangen, Bedürfnissen oder Träumen, mit denen alle Individuen seit Menschengedenken zu tun haben. Auch alle positiven Formen der Sehnsucht könne - wenn sie eine konstante oder steigernde Ebene der Übertreibung erreichen - zu Sucht werden. Die Grenzen zwischen Sucht und Sehnsucht sind daher fließend. Sucht ist, in welcher Form auch immer, eine Entgleisung der negativen oder konstant übertriebenen Sehnsüchte, auf die im Rahmen des Projektes eingegangen wird. Sie reicht von Alkohol über andere Suchtmittel und Drogen bis hin zu Spiel- und Internetsucht, aber auch Geltungssucht, Geldsucht oder Karrieresucht.

    Suchtformen haben weitreichende Konsequenzen für die Existenzweise des Menschen mit Selbst- und Fremdgefährdungspotenzial. Der Süchtige hat einen unkontrollierten Drang nach einem Erlebniszustand, der ihn alles andere vergessen lässt. Die eigentliche Gefahr liegt in dieser Selbstvergessenheit. Sucht nimmt das Denken gefangen und beeinträchtigt so die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Sie hält die Betroffenen in einer Art Dunkelhaft der Abhängigkeit und beeinträchtigt oder zerstört schließlich alle sozialen Bindungen.

    Ziel des Projektes
    Ziel und Aufgabe des Projektes ist es, eine Behebungs- bzw. Beseitigungsmethode zu entfalten, um das Pathologie-Phänomen >Sucht< in ihre physiologische Wurzel, die Ur-Sehnsucht, zu überführen. Der suchtheilende Imperativ lautet: Erkenne deine Ur-Sehnsucht, um deine entgleiste Seele durch disziplinierte Selbstkontrolle zu überwinden, deine Stärken zu optimieren und zu einer Selbstheilung zu finden! Dabei geht Krankheitseinsicht der Therapiemotivation voraus. Sind beide vorhanden, so steht der Weg zur Selbstwiederfindung durch Wiederbelebung der Ur-Sehnsucht offen. Es wäre denkbar, durch eine solche Wieder-in-Kraft-Setzung der Ur-Sehnsucht gesellschaftliche Pathologie-Phänomene wie Konsumismus, egozentrischen Ehrgeiz, rastlose Konkurrenzsucht, Alkoholismus, Sexismus oder Spielsucht, die nahtlos in Depression, Frustration und Suizidalität führen können, in einen erlösenden Genesungsprozess münden zu lassen. Rolle und Funktion der Spiritualität bilden eine zentrale Grundlage dieses Projektes. Hierbei werden verschiedene Modelle der Spiritualität vorgestellt und ihre Wirkungskraft für den Entwurf eines Therapiemodells analysiert.
  •     Sponsoren

  • Dieses Projekt wird von der Stiftung >Omnis Religio< gefördert.
  •     Veröffentlichungen

    Eine Auswahl neuerer Schriften von Yousefi:

  • Interkulturalität und Geschichte. Perspektiven für eine globale Philosophie, Lau-Verlag, Reinbek 2010.
  • Dornenfelder (Autobiographische Skizze), Lau-Verlag, Reinbek 2011.
  • Interkulturalität. Eine interdisziplinäre Einführung, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, WBG, Darmstadt 2011.
  • Die Bühnen des Denkens. Neue Horizonte des Philosophierens, Waxmann, Münster 2013.
  • Interkulturelle Kommunikation. Eine praxisorientierte Einführung, WBG, Darmstadt 2013.
  • Grundbegriffe der interkulturellen Kommunikation, UTB, Konstanz 2014.
  • Einführung in die islamische Philosophie. Die Geschichte des Denkens von den Anfängen bis zur Gegenwart, UTB, Stuttgart 2014.
  • Wege zur Religion: Aspekte - Grundprobleme - Ergänzende Perspektiven, Bautz, Nordhausen 2010.
  • Menschenrechte im Weltkontext. Geschichten, Erscheinungsformen, neuere Entwicklungen, Springer, Wiesbaden 2013.
  • Toleranz im Weltkontext. Geschichten, Erscheinungsformen, neuere Entwicklungen, Springer, Wiesbaden 2013.
  • Interreligiöse Toleranz. Von der Notwendigkeit des christlich-islamischen Dialogs, WBG, Darmstadt 2014.
  • Ethik im Weltkontext. Geschichten, Erscheinungsformen, neuere Entwicklungen, Springer, Wiesbaden 2014.
  • Interkulturelles Handbuch der Kulturwissenschaften. Grundlagen und Schlüsselbegriffe, Bautz, Nordhausen 2016.
  •     Interviews

  • Eine Auswahl der Interviews von Yousefi:

    Interview im Deutschlandfunk
    Interview mit Irananders
    Interview in der TV-Sendung >Zwischen den Zeilen<
  •     Kontakt

  • PD Dr. Hamid Reza Yousefibr
    info(at)yousefi-interkulturell.debr
    Tel.: +49(0)651 2065964
    Mobil: 0176 24686862

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     Imperssum